Die Schönen im Kino



2/2012
DIE SCHÖNEN IM KINO. Hrsg. von Thomas Koebner & Fabienne Liptay. Marburg 2012. 230 S. mit teils farb. Abb., brosch.

Bestell-Nr: 1467474

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Thomas Koebner ist em. Prof. für Filmwissenschaft an der Universität Mainz.Fabienne Liptay, geb. 1974, Juniorprofessorin für Filmgeschichte an der LMU München. Gemeinsam mit Thomas Koebner gibt sie die Schriftenreihe "Film- Konzepte" in der edition text + kritik heraus.

Was ist das Schöne, wer sind die Schönen zumal im Kino? Fragen, deren Antworten nicht auf der Hand liegen. Immerhin ist die Zeit allmählich reif für einen Paradigmenwechsel in der ästhetischen Betrachtung des Films: weg von einer klassisch geprägten Auffassung, dass das Schöne mit interesselosem Wohlgefallen zu tun habe. Vielmehr müssen wir uns eingestehen, dass wir die Schönen weibliche wie männliche Projektionen mit Interesse besetzen und mit Begehren verfolgen. So ergibt sich ein Paradox von Nähe und Ferne: Oft ziehen die Schönen ihre Betrachter gleichsam magisch an, bis diese ihnen förmlich mit allen Sinnen ergeben sind, bisweilen fordert die als schön "ausgezeichnete" Person aber auch eine Art Ehrfurchtsabstand ein. Das gilt auch für das Verhältnis zu den Schönen im Kino.
Es ist verlockend, sich bei dieser kniffligen Angelegenheit auf eine Vielzahl einzelner Fälle einzulassen. So ist mit diesem Buch eine Geschichte der Schönen, der zu "Ikonen" erhobenen oder stilisierten Schauspielerinnen und Schauspieler im Film, zustande gekommen; diese orientiert sich an ausgewählten Exempeln und Modellen von Asta Nielsen bis zu Juliette Binoche, von Max Linder bis zu Johnny Depp. Manches Leinwandgesicht aus den 1920er Jahren, das damals für schön und anziehend erklärt wurde, wirkt heute merkwürdig altmodisch, wenn nicht sogar sonderbar skurril. Was als schön gilt, ist relativ. Es gibt viele Variablen bei der Anschauung von menschlicher Schönheit Rückblicke auf die Kunstgeschichte und die Geschichte der Fotografie sollen bei der Überlegung "Was ist das Schöne, wer sind die Schönen?" helfen. Dabei stellt man auch fest, dass es Merkmale des Schönen zu geben scheint, die überzeitliche Geltung beanspruchen. Ewige Schönheit eine Illusion? Unterscheidet sich der Körper einer antiken Aphrodite- Skulptur, vom Publikum seinerzeit bewundert, von dem einer jungen Schauspielerin aus einem Film der 1990er Jahren? Bei genauerer Betrachtung ergibt sich eine "Typologie des Schönen", die sich nicht nur kurz- und langfristig verändert, von Epoche zu Epoche, sondern auch unterschiedlichen Kulturmustern unterworfen ist. Schließlich: Wer über das Schöne spricht, darf das Hässliche nicht meiden. Also wird auch der "Entwicklungsgeschichte des Hässlichen" im Kino oder dessen, was dafür gilt, besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

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