Subtile Gewalt
Spielräume sprachlicher Verletzbarkeit. Eine Einführung
Burkhard Liebsch
12/2007
LIEBSCH, BURKHARD.
Subtile Gewalt. Spielräume sprachlicher Verletzbarkeit. Weilerswist 2007. 254 S., Bibliographie, Indices, brosch.
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Burkhard Liebsch ist Privatdozent an der philosophischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum.
Spielräume sprachlicher Verletzbarkeit (Einleitung).
I Unaufhebbare Gewalt.
II Subtile Gewalt als Herausforderung einer Kultur moralischer Sensibilität.
III Sprache, Gewalt und Lebensform.
IV Verletzung in und mit Worten.
V »Sprechende« Gewalt.
VI Verächtliche Rede, verächtliches Schweigen. Zwischen Gleichgültigkeit und Hass.
VII Sprachliche Gewalt und Spielräume rhetorischer Gegen-Macht. Sprache, Gewalt und Gastlichkeit. Ansatzpunkte eines Ethos (Epilog)
Das Vertrauen auf die Sprache als Medium der Befriedung der zwischenmenschlichen und internationalen Verhältnisse ist tief verwurzelt in der Philosophie, aber auch in den Sozial- und Kulturwissenschaften und nicht zuletzt im politischen Leben. Wodurch könnte dieses Vertrauen mehr in Frage gestellt werden als durch den Verdacht, der Sprache wohne unvermeidlich subtile Gewalt inne?
Dass Menschen Worte anstelle von Speeren verwendeten, deutet Freud als Indiz des Beginns menschlicher Zivilisation. Sprache und Mittel physischer Gewalt, Worte und Waffen geraten in dieser Zuordnung in ein zweideutiges Verhältnis. Ersetzt Sprache physische Gewalt, um sie zu beenden, oder übernimmt sie deren Funktionen, um mit Worten Wunden zu schlagen, durch deren subtile Wirkung ein äußerlich unbeschädigtes, innerlich aber zutiefst verletztes Subjekt wie an einem unheilbaren Risse gleichsam verbluten kann, wie Nietzsche in der zweiten seiner Unzeitgemäßen Betrachtungen schreibt?Lässt sich dem gegenüber eine gewaltfreie Sprache denken? Gewaltfrei sind wir jedenfalls nicht schon deshalb, weil wir uns einer Rhetorik des Friedens, der Gerechtigkeit oder des Guten bedienen. Allemal liegt es bei Anderen, darüber zu befinden, wie weit man wirklich in Richtung auf wenigstens geringere Gewalt vorangekommen ist. Das könnte ein Ansatzpunkt zu einem praktischen Ethos des Umgangs mit subtiler Gewalt sein: sich über sie vom Anderen her belehren zu lassen. Die Anerkennung des Befundes, dass selbst der wohlmeinendste Sprachgebrauch nicht umhin kann, eine im Vorhinein niemals ganz und gar absehbare Verletzbarkeit Anderer heraufzubeschwören, nötigt allerdings nicht dazu, im Anderen die unanfechtbare Autorität eines Opfers zu sehen.
Das Vertrauen in die Sprache als Medium der Befriedung der zwischenmenschlichen und internationalen Verhältniseist tief verwurzelt in der Philosophie, aber auch in den Sozial- und Kulturwissenschaften und nicht zuletzt im politischen Leben. Wodurch könnte dieses Vertrauen mehr in frage gestellt werden als durch den Verdacht, der Sprache wohne unvermeidlich subtile Gewalt inne?
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