Mystischer Anarchismus
Simon Critchley
4/2012
Übersetzung: Voullié, Ronald
Internationaler Merve Diskurs (IMD) .
2012. 100 S. 17 cm
EUR 11,00
Simon Critchley (geb. 1960 in England) ist Philosoph und lehrt an der New School for Social Research in New York. Sein Interesse kreist um das Verhältnis von Philosophie und Politik, das Problem der Verantwortung und des Handelns sowie den philosophischen Rang von Dichtung und Literatur. Immer wieder beschäftigt er sich mit der von gegenseitigem Mißtrauen beherrschten Kontroverse zwischen »kontinentaleuropäischer« und analytischer »angelsächsischer« Philosophie. Zwischen 1998 und 2004 war er Programmdirektoram Collège International de Philosophie in Paris und zudem mehrmals Humboldt-Stipendiat an der Universität Frankfurt.
Critchleys Essay stellt die Frage nach dem Einfluss der Geschichte des mystischen Anarchismus auf das zeitgenössische ethische und politische Denken. Er geht den vielschichtigen wechselseitigen Bezugnahmen von Religion und Politik nach und beleuchtet die These vom säkularisierten theologischen Hintergrund aktueller politischer Begriffe auf neue Weise. Nach einer Relektüre von Carl Schmitts Theorie der Souveränität und John Grays Kritik des liberalen Humanismus werden die anarchistischen Praktiken mittelalterlicher Mystikerinnen wie Marguerite Porete und der häretischen "Brüder und Schwestern des freien Geistes" aktuelleren Formen des Anarchismus, wie etwa dem Situationismus Raoul Vaneigems gegenübergestellt. Dieser vergleichende Rückgriff auf die mystische Tradition des Anarchismus führt zu einer Neubewertung des Verhältnisses von Religion und Politik und zu einer ethisch grundierten Form des Anarchismus, die für einen veränderten Umgang mit Gewalt und Abstraktion einsteht.
Titel zum Thema:
Anarchie Humanismus Marguerite Porete Souveränität